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<title>Subsumtion (Recht)</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Subsumtion (Recht)</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Subsumtion</b> (von <a href="Latein" title="Latein">lat.</a> <i>sub</i>, unter, und <i>sumere</i>, nehmen, Partizip II <i>sumptum</i>, gelegentlich <i>Subsumption</i> geschrieben<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) ist der Vorgang, bei dem man einen Begriff unter einen anderen ordnet. In der <a href="Rechtswissenschaft" title="Rechtswissenschaft">Rechtswissenschaft</a> wird der Begriff als Anwendung einer <a href="Rechtsnorm" title="Rechtsnorm">Rechtsnorm</a> auf einen <a href="Lebenssachverhalt" class="mw-redirect" title="Lebenssachverhalt">Lebenssachverhalt</a> („Fall“), das heißt als Unterordnung des Sachverhaltes unter die Voraussetzungen der Norm, verstanden.
</p><p>Rechtsnormen haben regelmäßig eine Wenn-Dann-Struktur. Sie zerfallen in einen Tatbestand (Wenn-Teil) und eine Rechtsfolge (Dann-Teil). Der Tatbestand setzt sich meist aus mehreren Tatbestandsmerkmalen (z.&nbsp;B. „fremd“, „Eigentum“) zusammen. Liegen die erforderlichen Tatsachen vor, so ist das entsprechende <a href="Tatbestandsmerkmal" title="Tatbestandsmerkmal">Tatbestandsmerkmal</a> erfüllt. Sind alle Tatbestandsmerkmale gegeben, so tritt die Rechtsfolge ein.
</p><p>In ihrer kürzesten und idealisiert vereinfachten Form ist die Subsumtion dreigliedrig und besteht aus einem Obersatz, dem abstrakt formulierten Tatbestand der Anspruchsgrundlage, einem Untersatz, dem Vergleich des konkreten Lebenssachverhalts mit dem Tatbestandsmerkmal, und einem Schlusssatz, den Angaben zum Bestehen oder Nichtbestehen einer Rechtsfolge (d.&nbsp;h. ob Tatbestand und Lebenssachverhalt übereinstimmen oder nicht). Sie hat die Struktur eines <a href="Syllogismus" title="Syllogismus">Syllogismus</a> der aristotelischen Logik im <a href="Modus_Barbara" title="Modus Barbara">Modus Barbara</a> (<i>Wenn</i> A&nbsp;=&nbsp;B <i>und</i> B&nbsp;=&nbsp;C <i>dann</i> A&nbsp;=&nbsp;C).
</p>
<dl><dd>Beispiel: Ist das Auto A eine Sache im Sinne von <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__90.html">§&nbsp;90</a></span> <a href="B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch" title="Bürgerliches Gesetzbuch">BGB</a>?</dd>
<dd>Einleitung: (<i>Hypothese</i>): Das Auto A könnte eine Sache im Sinne des §&nbsp;90 BGB sein.</dd>
<dd>1. Schritt (<i>Obersatz</i> = <i>Definition</i>): Sachen sind gem. §&nbsp;90 BGB nur körperliche Gegenstände.</dd>
<dd>2. Schritt (<i>Untersatz</i>): Das Auto A ist ein körperlicher Gegenstand.</dd>
<dd>3. Schritt (<i>Schlusssatz</i>): Somit ist das Auto A eine Sache.</dd></dl>
<dl><dd>Komplizierter wird die Subsumtion im Beispielfall, wenn <a href="Legaldefinition" title="Legaldefinition">Legaldefinitionen</a> entgegenstehen, die den Sachenbegriff ausdrücklich ausschließen, weil sie beispielsweise dem Schutz von Mitgeschöpfen (Tieren) dienen, <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__90a.html">§&nbsp;90a</a></span> BGB. Da Legaldefinition, wäre die Negation – Tiere sind keine Sachen – bei der Obersatzbildung (Definition) vorzunehmen.</dd></dl>
<p>Hat ein Tatbestand&nbsp;– wie regelmäßig&nbsp;– mehrere kumulative Tatbestandsmerkmale, ist die Subsumtion für jedes Tatbestandsmerkmal erforderlich. Mitunter gibt es auch ungeschriebene Tatbestandsmerkmale, die gleichfalls erfüllt sein müssen. Ist ein Tatbestandsmerkmal problematisch, muss man es <a href="Definition" title="Definition">definieren</a>. Dies geschieht durch <a href="Auslegung_(Recht)" title="Auslegung (Recht)">Auslegung</a> des Gesetzestextes und subsumtionstechnisch durch eine begriffliche Entfaltung der Elemente des Obersatzes.
</p><p>Das Subsumtionsschema kann, da Anspruchsgrundlagen in ihrem Tatbestand auf andere Hilfsnormen verweisen oder problematische Tatbestandsmerkmale enthalten können, prinzipiell beliebig komplex und verschachtelt werden.
</p><p>Wird die Fallfrage im Ergebnis einer <a href="Fallbearbeitung" class="mw-redirect" title="Fallbearbeitung">Fallbearbeitung</a> beantwortet, deutet dies auf einen <a href="Gutachtenstil" title="Gutachtenstil">Gutachtenstil</a> hin. Im <a href="Urteilsstil" title="Urteilsstil">Urteilsstil</a> beantwortet der Verfasser die Fallfrage zuerst und begründet seine Antwort sodann. Der Unterschied zwischen Gutachtenstil und Urteilsstil besteht somit in der Reihenfolge, in der Begründung und Ergebnis dargestellt werden; der Vorgang der Subsumtion ist in beiden Fällen identisch.
</p><p>Die logische Struktur der Subsumtion eines konkreten Falles unter die Begriffe einer Rechtsnorm ist nicht unproblematisch. Denn im streng logischen Sinn kann nur ein Begriff unter einen Begriff subsumiert werden. Nach <a href="Karl_Engisch" title="Karl Engisch">Karl Engisch</a> kann die Subsumtion eines konkreten Sachverhalts unter einen Begriff nur als Einordnung des Sachverhalts in die Klasse der durch den Rechtssatz bezeichneten Fälle gedeutet werden. Es gehe dabei um die Gleichsetzung des Falles mit denjenigen Fällen, deren Zugehörigkeit zu der Klasse bereits feststeht.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach <a href="Reinhold_Zippelius" title="Reinhold Zippelius">Zippelius</a> sind Zweifelsfragen der Subsumierbarkeit eines Falles schon vorweg, bei der <i>Auslegung</i> des einschlägigen gesetzlichen Begriffes zu klären: Es ist zu prüfen, ob ein Fall der vorliegenden Art (seinem Typus nach) in den Bedeutungsumfang dieses Begriffes einzubeziehen ist. Das trifft dann zu, wenn er den Fällen <i>gleich zu bewerten</i> ist, für die von Anfang an klar (oder bisher schon geklärt) ist, dass sie durch die Norm bezeichnet sind.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Karl_Engisch" title="Karl Engisch">Karl Engisch</a>: <i>Logische Studien zur Gesetzesanwendung</i> (=&nbsp;<i>Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse.</i> 1960, 1, <span class="-print"><a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a>&nbsp;<span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220933-6613%22&amp;key=cql">0933-6613</a></span></span>). 3., ergänzte Auflage, Winter, Heidelberg 1963.</li>
<li>Karl Engisch: <i>Einführung in das juristische Denken</i> (=&nbsp;<i>Kohlhammer-Urban-Taschenbücher.</i> Bd. 20). 11. Auflage, herausgegeben und bearbeitet von <a href="Thomas_W%C3%BCrtenberger" title="Thomas Würtenberger">Thomas Würtenberger</a> und Dirk Otto. Kohlhammer, Stuttgart [u.&nbsp;a.] 2010, ISBN 978-3-17-021414-9, Kap. IV und V.</li>
<li><a href="Karl_Larenz" title="Karl Larenz">Karl Larenz</a>: <i>Methodenlehre der Rechtswissenschaft.</i> 6., neu bearbeitete Auflage, Springer, Berlin [u.&nbsp;a.] 1991, ISBN 3-540-52872-5, II Kap. 2 Abschn. 5.</li>
<li><a href="Reinhold_Zippelius" title="Reinhold Zippelius">Reinhold Zippelius</a>: <i>Juristische Methodenlehre</i> (=&nbsp;<i>Schriftenreihe der Juristischen Schulung.</i> Bd. 93). 11. Auflage, C.H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63668-4, §&nbsp;16.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Die Schreibweise <i>Subsumption</i> wird auch von namhaften Rechtswissenschaftlern verwendet. Der Duden führte in seiner 24. Auflage noch das Wort als <i>Subsumtion</i> auf. Der Online-Duden hingegen führt beide Schreibweisen auf.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Engisch: <i>Einführung in das juristische Denken.</i> 2010, S. 104 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Zippelius: <i>Juristische Methodenlehre.</i> 2012, § 16 I, II.</span>
</li>
</ol>
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